Bihar - Bundesstaat
Der Bundesstaat Bihar liegt im Norden Indiens und grenzt unter anderem an Nepal. Mit einer Fläche von nicht ganz 100.000 km² gehört Bihar zu den eher kleinen Bundesstaaten in Indien. Die Tatsache, dass in diesem Gebiet dennoch fast 100 Millionen Menschen leben, spricht für eine relativ dichte Besiedlung Bihars hin. Bihar gilt als einer der ärmsten Bundesstaaten Indiens, was auch sehr stark mit den immer wiederkehrenden Monsunregenfällen zusammenhängt, die regelmäßig die Dimensionen einer Naturkatastrophe annehmen.
Mit der Hauptstadt Patna, dem antiken Pataliputra, gibt es im Bundesstaat Bihar nur eine Stadt, die mehr als eine Million Einwohner hat. Daneben gibt es rund zwei Dutzend Städte mit 100.00 – 350.000 Einwohnern und weitere Kleinstädte. Diese sehr ländliche Struktur hat zur Folge, dass die Landwirtschaft für den Lebensunterhalt der in Bihar lebenden Bevölkerung eine sehr große Rolle spielt. Daher haben großflächige Überschwemmungen, wie es z.B. zuletzt im August 2008 der Fall war, oftmals gravierende Folge. Damals trat der Fluss Koshi in Nepal nach ergiebigen und tagelangen Regenfällen über seine Ufer und ließ alleine in Bihar über 1 Millionen Menschen obdachlos werden, 1.500 Dörfer wurden dem Erdboden gleich gemacht. Indien eilte den notleidenden Mitbürgern mit einem 125.000 Tonnen Getreide und 155 Millionen Euro umfassenden Rettungspaket zur Hilfe.
Der wirtschaftliche Abstieg des heutigen Bihars begann im beginnenden 16. Jahrhundert als das bis dahin eigenständige Reich dem benachbarten Delhi zugeschlagen bzw. von diesem übernommen wurde. Im Jahr 1765 wurde Bihar Teil der britisch-ostindischen Kompanie und im weiteren Verlauf dem bengalischen Reich zugeordnet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Bundesstaat Bihar und Orissa gebildet, bevor Orissa ab 1936 verselbstständigt wurde. Im Jahr 2000 entstand schließlich im Süden Bihars der neue Bundesstaat Jharkhand, wodurch sich die Fläche nochmals verringerte.
Der Tourismus kommt in Bihar kaum zur Geltung, obwohl hierfür im ersten Jahrtausend grundsätzlich beste Voraussetzungen geschaffen worden sind. In der Frühzeit des Buddhismus, also zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert, war Pataliputa, die heutige Hauptstadt Patna, das religiöse Oberzentrum des Buddhismus in Indien. Zahlreiche Bauten und Denkmäler schmückten das damalige Reich Bihar, bevor sie vom dem Buddhismus nachfolgenden Brahmanismus dem Verfall preisgegeben wurden. So kam es, dass es in Bihar heute nur noch sehr wenige Zeugnisse aus dieser Zeit gibt, von denen nur noch einige schlecht erhaltene Ruinen zu sehen sind.

